Effizienzsteigerung in der Eloxalanlage klingt oft nach einem großen, teuren Umbau. Das Praxisbeispiel der Aurolia Technologies GmbH aus Meiningen zeigt, dass es auch anders geht: Durch die Umstellung der Eloxal- und Harteloxalanlage auf eine moderne, digitale Anlagensteuerung stieg der Output um rund 20 Prozent – bei nur geringfügig höherem Energieeinsatz. Das Bemerkenswerte daran ist, dass diese Leistungssteigerung nicht einmal das eigentliche Ziel des Projekts war.
Für Betriebe der Oberflächentechnik steckt genau darin die spannende Botschaft: Wer seine Prozesse konsequent digitalisiert, gewinnt nicht nur Transparenz und Prozesssicherheit – die Investition rechnet sich häufig schon allein durch den höheren Durchsatz. Dieser Beitrag zeigt am konkreten Praxisbeispiel, wie Aurolia gemeinsam mit DiTEC den Weg von einer klassischen Anlagensteuerung hin zu einer datenbasierten Fertigung gegangen ist – und was Galvanik- und Eloxalbetriebe daraus für die eigene Anlage mitnehmen können.
Das Unternehmen: Aurolia Technologies aus Meiningen
Die Aurolia Technologies GmbH ist ein mittelständisches Unternehmen für technische Oberflächenveredelung mit Sitz in Meiningen. Aurolia beschichtet Bauteile für anspruchsvolle industrielle Anwendungen – unter anderem für den Maschinenbau, die Medizintechnik, die Halbleitertechnik, die Verteidigungsindustrie sowie die Energie- und Elektroindustrie.
Das Verfahrensspektrum ist breit und reicht von Eloxal und Harteloxal über chemisch Nickel bis hin zu galvanisch Zinn, Silber und Goldschichten. Bearbeitet werden sehr unterschiedliche Bauteile – von kleinen Präzisionsteilen bis zu technisch anspruchsvollen Komponenten.
Im Mittelpunkt dieses Praxisbeispiels steht die Eloxal- und Harteloxalanlage von Aurolia. Auf ihr entstehen funktionale und dekorative Oxidschichten auf Aluminiumbauteilen – je nach Kundenanforderung für Korrosionsschutz, Verschleißschutz, elektrische Isolation, Maßhaltigkeit, Reibverhalten oder optische Ansprüche. Die Anlage bildet komplette Prozessfolgen ab, von der Vorbehandlung über das Eloxieren beziehungsweise Harteloxieren bis zu nachgelagerten Schritten wie Färben oder Verdichten.
Als die bestehende Steuerung dieser Anlage modernisiert werden sollte, ging es Aurolia deshalb um deutlich mehr als einen reinen Austausch der Steuerungstechnik.
„Unser Ziel war nicht einfach eine neue Steuerung. Wir wollten einen Partner, der mit uns den Weg der digitalen Fertigung entlang unserer Wertschöpfungskette geht." — Martin Müller, Geschäftsführer der Aurolia Technologies GmbH
Warum die Prozessführung bei Eloxal so entscheidend ist
Gerade bei Eloxal und Harteloxal entscheidet die Prozessführung über das Ergebnis. Parameter wie Behandlungszeit, Temperatur, Stromdichte, Spannung und Badzustand wirken sich unmittelbar auf die erzeugte Oxidschicht aus. Gleichzeitig müssen unterschiedliche Aluminiumlegierungen, Bauteilgeometrien, Schichtdicken und kundenspezifische Qualitätsanforderungen sicher beherrscht werden.
Eine moderne Steuerung für eine Eloxalanlage muss deshalb weit mehr leisten, als Transporte auszuführen oder einzelne Behandlungszeiten zu überwachen. Sie muss die Bedienenden sicher durch den Prozess führen, Rezepturen zuverlässig verwalten, wichtige Zeiten einhalten und sämtliche relevanten Abläufe nachvollziehbar dokumentieren. Für einen Betrieb wie Aurolia ist die Anlagensteuerung damit kein reines Bedienwerkzeug, sondern ein zentraler Bestandteil der Prozesssicherheit.
Die Ausgangslage: Wo die bisherige Steuerung an Grenzen stieß
In der vorherigen Steuerung waren viele Abläufe nur eingeschränkt transparent. Einzelne Prozessschritte hingen stark von der Erfahrung und der Aufmerksamkeit der jeweiligen Mitarbeitenden ab. Im Tagesgeschäft kann das lange funktionieren – mit zunehmender Prozesskomplexität, mehreren Schichten und steigenden Anforderungen an Qualität und Dokumentation entstehen jedoch Risiken. Aurolia wollte deshalb vor allem drei zentrale Herausforderungen besser lösen.
1. Bedienfehler reduzieren
Manuell kontrollierte oder nur teilweise geführte Abläufe erhöhen das Risiko, dass Prozessschritte übersehen, verwechselt oder nicht vollständig dokumentiert werden. Eine klare Bedienerführung und zentral hinterlegte Rezepte sollten den Mitarbeitenden mehr Sicherheit geben – und dafür sorgen, dass Prozesse in jeder Schicht nach denselben Vorgaben ausgeführt werden.
2. Abhängigkeit von Schlüsselpersonen verringern
Wenn wichtiges Prozesswissen vor allem in den Köpfen einzelner erfahrener Mitarbeitender steckt, entsteht eine erhebliche personelle Abhängigkeit – ein zunehmend kritischer Punkt angesichts des Fachkräftemangels. Das Ziel: Abläufe, Parameter und Behandlungsfolgen systematisch in der Steuerung abbilden. Wissen sollte nicht verloren gehen, sondern dauerhaft im Produktionssystem verfügbar sein.
3. Prozessdaten besser verfügbar machen
In der alten Lösung war es teilweise aufwendig, nachträglich zu rekonstruieren, welche Charge wann, mit welchen Parametern und in welcher Prozessfolge bearbeitet worden war. Die neue Steuerung sollte relevante Daten automatisch erfassen und strukturiert bereitstellen. So lassen sich Prozessabweichungen schneller erkennen, Qualitätsfragen besser beantworten und Optimierungspotenziale datenbasiert bewerten.
Wichtig dabei: Das eigentliche Ziel war nicht in erster Linie eine reine Leistungssteigerung. Aurolia suchte eine Steuerung – und einen Partner –, mit dem sich der Weg in Richtung digitaler, transparenter und datenbasierter Fertigung konsequent weitergehen lässt.
Die Lösung: Umstellung auf die ProGal-Steuerung
Gemeinsam mit DiTEC wurde die Eloxal- und Harteloxalanlage auf die ProGal-Steuerung umgestellt. Mit ihr werden die unterschiedlichen Behandlungsfolgen, Prozesszeiten und Schichtanforderungen zentral verwaltet und gesteuert. Rezepte lassen sich eindeutig hinterlegen und den jeweiligen Produkten beziehungsweise Aufträgen zuordnen.
Die Bedienenden erhalten klare Informationen darüber, welche Arbeitsschritte durchzuführen sind und in welchem Zustand sich die jeweiligen Aufträge befinden. Gleichzeitig werden die relevanten Prozessinformationen für die spätere Nachverfolgung dokumentiert. Damit wird die Steuerung zu einem zentralen Baustein der Qualitätssicherung – und zugleich zum Fundament für die weitere Digitalisierung.
Mehr Transparenz und höhere Prozesssicherheit
Die für Aurolia wichtigste Verbesserung ist die deutlich höhere Transparenz innerhalb der Produktion. Prozessabläufe sind klarer strukturiert, Rezepturen sauber hinterlegt und relevante Anlageninformationen leichter zugänglich. Die Bedienerführung unterstützt die Mitarbeitenden im Alltag und hilft, Abweichungen und Fehlbedienungen zu vermeiden.
Dadurch verbessert sich auch die Wiederholbarkeit der Beschichtungsprozesse: Vergleichbare Bauteile werden unter nachvollziehbaren Bedingungen reproduzierbar bearbeitet – eine wichtige Voraussetzung für gleichbleibende Qualität. Und Fragen zu einzelnen Chargen lassen sich wesentlich einfacher beantworten, weil Prozessdaten nicht mehr mühsam aus verschiedenen Quellen zusammengesucht werden müssen, sondern strukturiert für Dokumentation und Auswertung bereitstehen.
Das Ergebnis: rund 20 % mehr Output – und mehr Effizienz pro Kilowattstunde
Neben der höheren Prozesssicherheit zeigte sich im laufenden Betrieb ein Effekt, der ursprünglich gar nicht als Hauptziel definiert war: eine spürbare Effizienzsteigerung der Eloxalanlage. Mit der neuen ProGal-Steuerung erhöhte Aurolia den Output um rund 20 Prozent – in vergleichbarer Zeit entsteht damit deutlich mehr beschichtete Fläche beziehungsweise werden mehr Aufträge abgearbeitet.
„Mit DiTEC und ProGal haben wir genau das gefunden – und zusätzlich einen Effekt erzielt, den wir so gar nicht als Hauptziel definiert hatten: rund 20 Prozent mehr Output bei nur geringfügig höherem Energieeinsatz." — Martin Müller, Geschäftsführer der Aurolia Technologies GmbH
Entscheidend ist die doppelte Wirkung. Weil der Energieeinsatz nur geringfügig gestiegen ist, wurde Aurolia nicht nur im Verhältnis Fläche pro Zeit effizienter, sondern auch im Verhältnis Fläche pro eingesetzter Energie. Gerade in der energieintensiven Oberflächenveredelung ist das ein zentraler Punkt: Effizienz bedeutet nicht nur, Prozesse schneller durchzuführen, sondern wie viel Fläche mit den vorhandenen Anlagen, Ressourcen und Energiemengen zuverlässig bearbeitet werden kann. Eine intelligente Anlagensteuerung leistet dazu einen wesentlichen Beitrag – sie verbessert die Koordination von Aufträgen, reduziert unnötige Wartezeiten und nutzt vorhandene Anlagenkapazitäten besser aus.
Die Zusammenarbeit mit DiTEC: partnerschaftlich, kreativ, lösungsorientiert
Für Aurolia war nicht nur die technische Lösung entscheidend, sondern ebenso die Zusammenarbeit während des Projekts. Gesucht war kein Anbieter, der lediglich eine vordefinierte Standardlösung installiert, sondern ein Partner, der eigene Ideen versteht, Anforderungen konstruktiv aufgreift und bereit ist, gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.
„Wir brauchen Partner, die ähnlich kreativ – im besten Fall sogar noch kreativer – denken als wir und bereit sind, gemeinsam neue Wege zu gehen." — Martin Müller, Geschäftsführer der Aurolia Technologies GmbH
Rückfragen und Anpassungswünsche wurden nicht als Störung behandelt, sondern als Teil einer gemeinsamen Weiterentwicklung. Gerade bei langfristig angelegten Digitalisierungsprojekten ist diese Offenheit entscheidend: Eine Anlagensteuerung muss nicht nur zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme funktionieren, sondern auch zukünftige Anforderungen, neue Prozesse und zusätzliche digitale Anwendungen unterstützen.
Der Ausblick: von der Anlagensteuerung zum digitalen Produktionssystem
Für Aurolia ist die neue Steuerung ausdrücklich der Anfang, nicht das Ziel. Sie bildet die Grundlage, um Anlagenzustände und Produktionskennzahlen künftig noch schneller – und mobil – verfügbar zu machen und Daten aus Produktion, Analytik und Instandhaltung stärker zu verbinden. Konkret geplant sind unter anderem die vollständige Visualisierung der Handanlage, der Aufbau eines digitalen Wartungs- und Medienmanagements mit dem ProGal Servicemanager, die Digitalisierung der Badregelkarten sowie ein Dashboard für den Anlagenstatus.
Was Galvanik- und Eloxalbetriebe aus dem Praxisbeispiel lernen können
Das Beispiel Aurolia macht ein Muster sichtbar, das sich in vielen Betrieben der Oberflächentechnik wiederholt: Der größte Hebel liegt selten in einer einzelnen neuen Anlage, sondern in der konsequenten Digitalisierung und Vernetzung bestehender Prozesse. Wer Transparenz und Prozesssicherheit zum Ziel macht, erhält die Effizienzsteigerung häufig als messbaren Nebeneffekt – bei Aurolia rund 20 Prozent mehr Output.
Drei Erkenntnisse lassen sich verallgemeinern. Erstens: Effizienz in der Eloxalanlage ist immer auch Energieeffizienz – das Ziel sind mehr Fläche pro Stunde und mehr Fläche pro Kilowattstunde. Zweitens: Eine moderne Steuerung entfaltet ihren Nutzen erst dann voll, wenn sie als Fundament für weitere digitale Bausteine wie Wartungsmanagement, Badpflege und Dashboards gedacht wird. Und drittens: Der richtige Partner, der mitdenkt und weiterentwickelt, ist bei diesem Weg mindestens so wichtig wie die Technik selbst.
Wer vor einer Investitions- oder Modernisierungsentscheidung steht, findet im Beitrag Digitaler Zwilling für Beschichtungsanlagen einen Weg, Effizienzpotenziale vorab sichtbar zu machen.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lässt sich die Effizienz einer Eloxalanlage steigern?
Der größte Hebel liegt häufig nicht in neuer Anlagentechnik, sondern in einer modernen, digitalen Anlagensteuerung. Sie führt Prozesse klarer, hinterlegt Rezepte sauber und macht Abläufe transparent. Dadurch sinken Fehlerquellen und Stillstände, während Durchsatz und Wiederholbarkeit steigen. Im Praxisbeispiel Aurolia führte das zu rund 20 % mehr Output.
Wie viel mehr Output ist realistisch möglich?
Das hängt von Anlage, Ausgangszustand und Prozessen ab – pauschale Zahlen führen hier in die Irre. Statt zu schätzen, ermitteln wir das Potenzial vorab konkret: Mit unserer Simulationssoftware bilden wir Ihre Anlage als digitalen Zwilling ab und berechnen den zu erwartenden Durchsatz für eine mögliche Software-Umstellung – noch bevor Sie investieren.
Steigert eine neue Steuerung nur den Durchsatz oder auch die Qualität?
Beides. Klar geführte Abläufe, sauber hinterlegte Rezepte und eine bessere Bedienerführung reduzieren Bedienfehler und verbessern die Wiederholbarkeit. Gerade bei Eloxal und Harteloxal, wo Behandlungszeit, Temperatur, Stromdichte, Spannung und Badzustand das Ergebnis bestimmen, ist Prozesssicherheit ein direkter Qualitätsfaktor.
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